BewusstSeins-Dosis 

Die Leiden der deutschen Wörter und Sprache –
Tägliche BewusstSeins-Dosis zur Heilung.

Sprache ist die Fähigkeit zu sprechen, auf menschlichen Lauten aufbauendes System von Zeichen, die der Mensch mit Hilfe seiner Sprechorgane hervorbringt, Verständigungsmittel, Mittel des Ausdrucks von Gedanken und Bewusstseinsinhalten.

Sprache ist eine besondere Fähigkeit des Menschen, alle Gedanken und Gefühle auszudrücken. Sie ist ein Kommunikationsmittel, das unser Denken und Handeln prägt und das wir ganz bewusst erlernen und somit unsere innere und äußere Welt gestalten können.

Sprachbewusstsein ist die Fähigkeit, sich bewusst und aufmerksamen der Sprache zu bedienen.

 

Tagesdosis

Schwachsinn = der schwache im Sinn. Ende des 19. Jahrhunderts noch als ein Mangel an Empfindung und Verstand beschrieben, das davon abgeleitete schwachsinnig als „stumpfen Geistes, mit verkümmertem Empfindungsleben“. Wahrnehmung durch die Sinne, Bedeutung oder subjektive Deutung sozialen Handelns.
In diesem zusammensetzten Wort ist auch der Wachsinn enthalten: Bisher ungebräuchlich, würde es denn bedeuten: Fülle an Empfindung und Verstand (verstehen). Führen wir es ein?


Leib und Seele, Körper, Leben:
Leib: von mittelhochdeutsch līp, „LebenLeib, Körper“.
Leib und Seele = mit der ganzen Persönlichkeit, ganz und gar, vollkommen.
So verweist der Leib als Sitz der Seele auf das Innere des Menschen, auf sein Erleben und Fühlen. Ein Körper (das kann auch der eigene sein) ist hingegen etwas, das man von außen und aus der Distanz als Objekt betrachtet und dem man sich gegenüberstellen kann.

Leib wurde in seiner ursprünglichen Bedeutung und Gleichsetzung ‘Leben’ vom substantivierten Infinitiv Leben verdrängt und getrennt: „Mit Leib und Leben“.
 

Familie: 
Der Begriff familia hat seine Wurzeln im oskischen Wort famel bzw. famelo sowie im umbrischen Wort fameria. Das oskische famat bedeutet „wohnen“ und verweist auf die Grundbedeutung des Zusammenwohnens.

Die lateinischen Begriffe famulus und famula bedeuteten „Haussklave“, Diener“ bzw. „Sklave“ und „Dienerin“ bzw. „Sklavin“. Der davon abgeleitete lateinische Begriff familia ist in der lateinischen Sprache „vielschichtig“. Für den heutigen Familienbegriff gab es im Lateinischen – genau wie im Griechischen – kein Wort: „In keiner ihrer Bedeutungen war familia also die Kernfamilie, bestehend aus Vater, Mutter, Kindern.

Die höchst unterschiedlichen Kontexte in denen der lateinische Begriff familia verwendet wurde, bezeichnen jeweils bestimmte Aspekte des komplexen Herrschaftsbegriffs:

  • Sklavengesinde, d. h. die Sklaven und abhängigen Freigelassenen einer Hausgemeinschaft (häufigste alltägliche Begriffsverwendung)
  • Geschlecht der Vorfahren in männlicher Linie
  • Sämtliche Personen, die unter der Gewalt despater familias standen (Ehefrau, Kinder, ggfs. Enkel, Sklaven, Freigelassene)
  • Sämtliche Sachen und Personen, die unter der Gewalt despater familias standen, also auch Vieh, Geld, Güter, Lebensmittel, Metalle etc.

Sollten wir daher eher von Blutsverwandten, Sippe oder Sippschaft sprechen? Meine Großmutter tat dies, manchmal auch etwas abfällig von Mischpoke, heute als „antisemitisch ausgelegt.


Rechtfertigen: laut Wörterbuch = etwas gegen einen Einwand, Vorwurf verteidigen, als berechtigt hinstellen. Oder: das Recht fertigen, erstellen? Hat nicht jeder selbstverständlich das Naturrecht, sich zu äußern, eine abweichende Auffassung auszudrücken?


Davontragen: Wenn ein Unfall geschieht, kann man die Brieftasche des Opfers davontragen. Oder auch das Opfer. Die Sprache erleidet jedoch schwere Verletzungen, wenn ebensolche (Verletzungen) vom Opfer davongetragen werden …. wohin bitte?


Lebensunterhalt bestreiten. Welches Welt- und Lebensbild drücken diese Worte aus? (Be)Streiten bedeutet etwas anfechten, für unrichtig erklären, etwas, jemanden, sich (gegenseitig) bekämpfen, kämpfen. Trauen wir dem Leben, dann haben wir unser Auskommen und erhalten eine Einkunftsquelle.


Arbeit: Mühsal, Beschwernis und Sklaverei
mittelhochdeutsch arebeit: Beschwernis, Leiden, Mühe“, althochdeutsch: arabeit arabeiti, germanisch
arbaiþi- „Arbeit, Mühsal“, eventuell verwandt mit altkirchenslawisch работа (rabota), Mühsal, Sklaverei;
Wie wäre es anders mit Tagewerk, handeln, etwas tun, schaffen, gestalten, erledigen, durchführen, bewerkstelligen, erzeugen. Raus aus der Schwingung des Wortes „Arbeit“, rein in die des Erschaffens.


Worte oder Wörter? 
Eine der edelsten Unterscheidungen unserer Sprache scheidet die Worte von den Wörtern.
Wir sprechen von Worten, wenn Zitate, Redewendungen oder die gesamte Sprache gemeint ist.
„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ sind z.B. berühmte Worte eines Politikers.
Ein Satz besteht aus mehreren Wörtern. Worterklärungen findet man in einem Wörterbuch, nicht in einem Wortebuch.
Kurz: Wörter bestehen aus Buchstaben, Worte bestehen aus Gedanken.


Ideologie: altgriechisch ἰδέα idéa, hier „Idee“, und λόγος lógos „Lehre, Wissenschaft“ = „Ideenlehre“. Der Begriff steht für sogenannte Weltanschauungen, die vorgeben, für alle gesellschaftlichen Probleme die richtige Lösung zu haben.
NUR eine Idee (Vorstellung), die uns für die Zukunft gegeben werden (soll). Ersetzen wir es durch deutsche Wörter wie Weltanschauung, Mentalität, Anschauungsweise, Geistesrichtung und durchschauen somit die Absicht. 


Genau!
Genau hat inzwischen ganz offensichtlich eine andere Bedeutung als jenes „genau“, mit dem Präzision gemeint ist, oder jenes, das Zustimmung, Bekräftigung, Zustimmung, Bejahung signalisiert.
Wer das Wort ständig benutzt, kommentiert sich selbst, bestätigt sich und seine Rede. Das „Genau“ setzt einen Punk. Es ist so und nicht anders! Tatsächlich? Begründung? Nein. Behauptung? Ein Ausdruck von Gesprächsverweigerung? Ja, genau!


Deutsch: Der Begriff deutsch leitet sich vom althochdeutschen thiutisk (westfränkischen *Þeodisk, germanischen *þeudisk) ab, was ursprünglich „zum Volk gehörig“ bedeutete (germanisch *þeuðō, althochdeutsch thiot[a] „Volk“). Aha!


„…wenn ich mir die Bemerkung gestatten (erlauben) darf,…“ ist dürfen zum Quadrat.
Jeder, der spricht, hat selbstverständlich (= das Selbst steht und äußerst sich in Form der Worte) ein Recht zu bemerken, etwas beizutragen, zu sagen! Diese falsche Bescheidenheit und Unterwürfigkeit  dürfen wir ablegen.


„Es ist ja so, …..“ oder „Ich sage mal, …“ zu Anfang eines Satzes. Was will uns der Redner damit sagen? Oder ist es eine Gnadenfrist, dass der rechte Gedanke noch (hin)einfällt (woher und und wohin?) oder ein „Achtung, jetzt rede ich“?
Geheimnisvolle Kräfte scheinen uns zu hindern, direkt, ohne Anlauf, ohne Einstieg zu sagen, was wir sagen wollen. Nehmen wir die Kraft des Bewusstseins und tun es.


Stress: Englische für Spannung, Druck. Lateinisch: strengere für anspannen. Keine Überspannung!
Stress ist ein Sammelbegriff, der auch noch ungenau verwendet wird – den können wir präzisieren.
Deutsch: Anstrengung, Beanspruchung, Mühe, Belastung, Beschwernis, Mühsal, Plackerei.
In Deutsch können wir exakter beschreiben, was uns wie unter Spannung setzt und so auch eher Lösungen, Entspannung finden.
„Ich habe mich zu stark beansprucht, ich kann nicht mehr“. „… ist eine große Last für mich, bitte nimm mir etwas ab.“ „… macht mir Mühe und ich brauche Unterstützung“.


Hinauszögern:
Hinaus: vorwärts, Richtung von mir fort
Zögern: Rückwärts streben; Intransitiv = niemand und nichts kann ich zögern
Ich kann zögern, etwas verzögern, hinausschieben jedoch nicht hinauszögern; beides zur gleichen Zeit geht nicht!


Rationell: ein Ergebnis schneller und  / oder billiger erzielen
Rational: von ratio, Vernunft
Statt Hinwendung zur Vernunft, wird die Steigerung der Zeit- und Kraft-Ersparnis rationalisieren genannt ….


Wer Interesse an einem 4-wöchigen Webinar zum SprachBewusstSein hat:
Hier sind Inhalte und Termine zu finden.

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